Warum ist Zement so wichtig für unser Leben?

Zement ist in unserem Alltag unsichtbar, aber als Hauptkomponente von Beton doch allgegenwärtig. Er dient als Fundament unserer Strassen, kommt im weit verzweigten Bahnnetz sowie in unzähligen Brücken und Tunnels zum Einsatz, die die Schweiz verbinden und Mobilität erst erlauben.

In der Schweiz leben und arbeiten wir in Bauten, die funktional sind aber auch gefallen. Ob Bürokomplexe, Wohnarchitektur oder Wasserversorgung: Der Ingenieurskunst sind heute kaum noch Grenzen gesetzt. Zement als Bindemittel des Universalbaustoffs Beton macht dies erst möglich. Kein anderer Baustoff lässt aufgrund seiner Vielseitigkeit grosse Ideen im Hoch- und Infrastrukturbau gleichermassen in die Tat umsetzen.

Energie ist der Motor jeder fortschrittlichen Gesellschaft und Zement spielt bei der Energieversorgung eine zentrale Rolle. Er gibt dem Beton seine Festigkeit und Beständigkeit. Es sind diese Eigenschaften, die den Bau von Kraftwerken, Stauseen, Tankstellen und Energieinfrastruktur ermöglichen, welche Konsumenten und Wirtschaft mit Energie versorgen. Für die Versorgungssicherheit der Schweiz ist Zement deshalb von grosser Bedeutung.

Hinter jeder hochtechnologischen Gesellschaft stehen eine komplexe Energie- und Wasserversorgung, ein weit verzweigtes Verkehrsnetz, Ingenieurs- und Baukunst. Diese Errungenschaften stehen auf einem gemeinsamen Fundament: Infrastruktur braucht Zement. Zement sichert Lebensqualität von heute und legt zusammen mit einer umsichtigen Planung den Grundstein für die Gesellschaft von morgen.

Damals und heute

Die Geschichte des Zements

Vorläufer des modernen Zements

Schon die Ägypter verstanden es vor rund 5000 Jahren, aus gebranntem Kalk und Gips eine dem Zement ähnliche Masse herzustellen, mit der sich Steine dauerhaft verbinden liessen. Dieses Wissen wurde im Laufe der Jahrhunderte stetig weiterentwickelt und die Römer errichteten mit ihrem „opus caementitium“ bereits gewaltige Bauwerke wie das berühmte Pantheon und das Kolosseum. Der Begriff „Zement“ bezeichnete in diesen frühen Jahren allerdings vor allem die Zusatzstoffe, die meist vulkanischen Ursprungs waren und entscheidend zur Festigkeit des Baustoffs beitrugen.

1824 erhielt Joseph Aspdin in England das Patent für die Herstellung von Portlandzement, dessen Name aus Marketinggründen an den bereits etablierten Portlandstein von der englischen Kanalküste angelehnt wurde. Der Portlandzement wies aufgrund der erheblich höheren Brenntemperaturen weit bessere Gebrauchseigenschaften auf als seine Vorgängerprodukte und ebnete den Weg für den weltweiten Siegeszug dieses Bindemittels.

Erste Zementfabriken in der Schweiz

Für die grossen, im Entstehen begriffenen Schweizer Eisenbahnprojekte und den Brückenbau mussten bald einmal beträchtliche Mengen Portlandzement aus Frankreich und Deutschland importiert werden, wo Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Zementfabriken entstanden waren. Robert Vigier, Spross einer alteingesessenen Solothurner Patrizierfamilie, erkannte, dass die Rohmaterialvorkommen im Jurabogen weit günstiger lagen als in den Nachbarländern. 1871 erbaute er in Luterbach bei Solothurn die erste schweizerische Portlandzementfabrik. 1877 entstand in Saint-Sulpice im Val-de-Travers die zweite. 1880 erfolgte die Produktionsaufnahme in Aarau. Obwohl mengenmässig im Vergleich zu anderen Ländern zunächst noch unbedeutend, war der Schweizer Portlandzement vielen ausländischen Produkten bereits qualitativ überlegen.

Qualität und Quantität nehmen zu

Mit der Gründung der Eidg. Materialprüfungsanstalt (EMPA) im Jahr 1880 und ihren Qualitätsprüfungen wurde der Schweizer Zement laufend verbessert. 1881 wurde der Verein Schweizerischer Zement-, Kalk- und Gipsfabrikanten – die heutige cemsuisse – gegründet. Dieser Verein führte u. a. die ersten Festigkeitsnormen ein. Die Nachfrage nach hydraulischen Bindemitteln stieg derweil weiter an: Neben zahlreichen Bahn-, Wasser- und Festungsbauten, Flusskorrektionen, Kraftwerken und Fabrikanlagen wurde hochwertiger Zement nun auch im Wohnbau, für Schulhäuser, Verwaltungsgebäude, Spitäler und die Kanalisation in grossen Mengen benötigt. Der vermehrte Einsatz von Beton – und ab etwa 1895 auch von Eisenbeton – führte zu einem weiteren Anwachsen der Schweizer Zementindustrie.

Die Schweiz versorgt sich selbst

Das Ziel, ausreichende Produktionskapazitäten für die Versorgung im Inland bereitzustellen, wurde 1910 erreicht. Während 1896 noch 2‘982 Wagen zu 10 Tonnen Portlandzement aus dem Ausland eingeführt werden mussten, konnten 1917 fast achtmal so viel, nämlich 23‘185 Wagen, exportiert werden. In der Nachkriegszeit ab 1946 nahm die Nachfrage nach Bauleistungen innerhalb des inländischen Absatzmarktes erheblich zu. Die Zementindustrie wurde dadurch zu einem jener Zweige der Schweizer Binnenwirtschaft, die am stärksten expandierten. 1965 umfasste sie 17 produzierende Werke mit einer Lieferkapazität von 4,5 Millionen Tonnen. Nach einem weiteren Anstieg auf gegen 6 Millionen Tonnen in den frühen 70er-Jahren ging die Gesamtproduktion in den folgenden Rezessionsjahren wieder zurück. Im Zeitraum von 1970 bis 1985 stellte die schweizerische Zementindustrie pro Jahr durchschnittlich gut 4 Millionen Tonnen Zement her.

Jüngste Entwicklungen

Der Beginn des dritten Jahrtausends war gekennzeichnet durch einen weltweiten Abwärtstrend an den Börsen, der sich auch auf die Bauwirtschaft auswirkte. Konzentrationen, Eigentümerwechsel und Restrukturierungen veränderten die Schweizer Zementindustrie nachhaltig. Bis Mitte 2014 vermochte sie sich dem allgemeinen Abwärtstrend dennoch zu widersetzen und ihren Umsatz auf zuletzt 4,583 Millionen Tonnen zu steigern.

Seitdem ist die Entwicklung allerdings rückläufig, sodass sich die Lieferungen der Schweizer Zementindustrie im Jahr 2015 nur noch auf knapp 4,219 Millionen Tonnen beliefen. Neben dem steigenden Importdruck (Frankenstärke) zählen die grossen Überkapazitäten im europäischen Raum zu den Hauptursachen für diesen Rückgang.